Geburtstagsfeier mit finnischem Flair

Mein 70. Geburtstag in Lappland:

Was kann es außergewöhnlicheres geben, als den runden Geburtstag in einer Blockhütte im schneebedeckten Wald finnisch Lapplands zu feiern. Unsere Kundin hat ihren Geburtstag und einige unvergessliche Tage in vollen Zügen genießen können. Wollen Sie wissen, was sie erlebt hat? Lesen Sie weiter und erfreuen sich an ihrer Reise!

1. Reisetag: Freitag, 07.02.2014 Temperatur in Kittilä: Minus 8 Grad
Nach einer geruhsamen Nacht frühstückten wir zeitig im Hotel (6 Uhr), das Buffet war beachtlich, sogar Sekt hätten wir am frühen Morgen trinken können, aber Musch wollte zu so früher Stunde noch keinen Sekt. Und das an ihrem 70. Geburtstag.

Danach –es war kurz nach 7 Uhr- checkten wir im Hotel aus und ein paar Meter weiter im Flughafen ein. Die Zeit bis zum Abflug vertrieben wir auf einem Wellnesssessel, der unsere Rücken für nur 2 Euro ordentlich durchknetete. Um 8:30 Uhr startete dann unser Flieger nonstop nach Kittilä. Über das Essen an Bord sollten wir keine Worte verlieren, dafür tranken sehr viele Fluggäste das, was sie sonst nie trinken, Tomatensaft.

In Kittilä, etwa 200 km nördlich des Polarkreises, kamen wir um 12:10 Uhr finnischer Zeit an und es erwarteten uns nicht nur minus 8 Grad sondern auch ein Bus, der uns nach Äkäslompolo, einem kleinen aber schönen Ort mit nur rd. 450 Einwohnern aber fast 10 Restaurants, brachte. Schon auf der Fahrt dorthin waren wir von der verschneiten und hügeligen Landschaft stark beeindruckt.

In Äkäslompolo angekommen, bezogen wir nach zunächst eigener kurzer und erfolgloser Suche mit Hilfe einer Hotelangestellten, die uns den rechten Weg zeigte, unser Blockhaus tief im Wald und Musch wurde zu ihrem 70.Geburtstag mit netten Geschenken begrüßt, worüber Sie sich sehr erfreute. Das Blockhaus hatte alles, was man braucht, um einen schönen Urlaub genießen zu können: Sauna, Kamin, kleine Küche, gemütliche Einrichtung und einen Fernseher, der uns die folgenden Tage mit deutschen Nachrichten (Olympia etc.) versorgen sollte.

Dann –bei dem ersten Spaziergang auf finnischem Boden-, steuerte Hans zielstrebig den einzigen Supermarkt in Äkäslompolo an. „Wir müssen uns doch mit Bier eindecken!“ Recht hatte er, aber ein wenig sparsam guckte er doch, als er die Bierpreise sah. Trotzdem, es sollte ein 15er-Pack vom besten finnischen Bier sein. Lapinkulta, man sollte sich dieses Wort für die Biersorte, die übersetzt: „Das Gold Lapplands“ bedeutet, merken, denn es wurde unser ständiger Begleiter an den langen finnischen Abenden. Lapinkulta, die Betonung liegt auf der ersten Silbe!!!

Da wir Hunger hatten, aßen wir in der Cafeteria des Supermarktes Hamburger und Kuchen, denn wie sagte meine Mutter immer? „Man muss dem Magen etwas anbieten!“.

Abends dann das erste Highlight: Eine Schneeschuhwanderung war angekündigt, um bei gutem Wetter vielleicht das Nordlicht zu sehen. Unser finnischer Guide, Markus, der uns wie 4 andere deutsche Urlauber an unseren Unterkünften abholte, sprach –weil er einige Zeit in Deutschland verbrachte- perfekt Deutsch. Nachdem wir im Safarihaus, dem Ausgangspunkt für unsere Unternehmungen mit warmen Anzügen, tollen Stiefeln und Handschuhen, die wir für die gesamte Reisedauer behalten durften, ausgestattet waren, was jedem Einheimischen aber auch klarmachte - Achtung, da läuft ein Tourist - ging es mit einem kleinen Bus wenige Kilometer aus dem Dorf hinaus in die verschneite hügelige Landschaft. An unserem Ausgangspunkt angekommen, sollten wir die Schneeschuhe anziehen. Markus, der uns geduldig erklärte, wie man in diese Schuhe kommt (was ganz einfach ist, wenn man es kann) war völlig bedient: “Keiner hört mir zu, ihr macht alle was ihr wollt, so wird das nie etwas, so eine Gruppe habe ich ja noch nie gehabt!” Selbst Markus Hund, der mit durfte, schien Gefallen an diesem Schauspiel zu haben. Wir lachten alle, weil wir uns kollektiv ziemlich dusselig anstellten und plötzlich lag Musch bei ihrem ersten Gehversuch auf dem Rücken. Plumps, der erste Sturz! Aber anders als vor vielen Jahren, bei der Eröffnung eines jugoslawischen Restaurants in Niebüll beim ZOB, wo sie – wegen einiger geistiger Getränke - eine Rolle vorwärts über eine schon seit Jahrzehnten da gewesene Absperrkette machte, musste man ihr hier auf die Füße, sprich Schneeschuhe helfen. Sie ließ sich ihre Schmerzen (ja, unten links, direkt am Steißbein) nicht anmerken. Und dann konnte es endlich losgehen. Ein wenig breitbeinig zunächst, denn man musste sich an die Schneeschuhe ja erst gewöhnen, aber dann immer mutiger stapften wir los durch den verschneiten Wald. Irgendwann murmelte Markus etwas von einer kleinen Brücke, die da käme und dass wir uns ganz links halten sollten. Alle hörten es, nur Musch nicht und so verschwand sie an ihrem 70. Geburtstag plötzlich in einem tiefen Schneeloch. Hans murmelte irgendetwas und es hörte sich so an als ob er sagte: „Die finden wir erst wieder nach der Schneeschmelze und das kann hier im Norden Finnlands lange dauern“. Hinterher bestritt er, das gesagt zu haben, aber es gab wohl Zeugen……. Als sich im tiefen Schnee etwas rührte, streckte Hans seine Hand aus, um Musch wieder auf die Beine bzw. Schneeschuhe zu helfen, aber diese waren ineinander verkeilt und Musch lag im Schnee wie ein nasser Sack! Markus quittierte die ausgestreckte Hand von Hans mit dem Satz: „So kriegst Du die doch nie hier heraus“ und sprang mutig selbst in das Schneeloch. Dann schob er Musch von hinten Zentimeter für Zentimeter aus dem tiefen Schnee wobei er doch ein wenig in´s Schwitzen kam bis Musch wieder festen Schneeboden unter sich hatte.

So lag Musch an ihrem 70sten Geburtstag einmal auf dem Rücken und wurde auch einmal von hinten geschoben…..man kann sich schlimmere Geburtstage vorstellen.

Nachdem die übrigen Teilnehmer Musch freudig wieder unter den Lebenden begrüßt hatten, ging es noch ein paar Hundert Meter weiter, wo mitten in der Wildnis, wo sich sonst nur Polarfuchs und Rentier eine gute Nacht wünschen (die Bären verschlafen ja den ganzen Winter….), eine Hütte stand. Dort wurde von Markus ein Lagerfeuer gemacht und in einem Kessel brasilianischer Bohnenkaffee gekocht und in dem anderen Kessel Beerensaft erwärmt. Dieser schmeckte sehr sehr süß, aber alle lobten ihn. Markus erzählte uns dieses und jenes vom Nordlicht und dass wir es ja nur nicht sehen könnten, weil es schneite, aber das hatten wir selbst schon gemerkt und daher sahen wir an diesem –wie auch an allen anderen Abenden- kein Nordlicht. Markus erzählte uns, dass es in diesem Teil von Finnland oft schon im Oktober zu ersten Schneefällen kommt und meist Mitte November eine feste Schneedecke liegt, die dann bis in den April hinein hält. Der Winter ist somit die längste der vier Jahreszeiten im Norden Finnlands.

Später stapften wir dann wieder zu unserem Bus zurück und Markus lud uns an unseren jeweiligen Unterkünften wieder ab.

Und dann wurde es gemütlich. Sowohl Musch und Hans wie auch ich hatten vorgesorgt und einige unserer guten Tropfen eingepackt, was uns am Flughafen Hannover wegen geringen Übergewichtes fast zum Malheur gereicht hätte. So fingen wir an, das Gewicht durch den Verzehr zu reduzieren (Musch hatte zu diesem Zweck extra schöne Schnapsgläser eingepackt) und Hans und ich ließen Musch nochmals hochleben, denn wer wird schon 70 im hohen Norden. Es gab Grappa, Marille, Kirsch und das andere habe ich vergessen.

Es war schon nach Mitternacht, als ich mich in meine Blockhaushälfte trollte und wir alle zum ersten Mal in diesem Urlaub in Finnland zur Ruhe gingen…es schneite immer noch.

2. Reisetag: Samstag, 08.02.2014 Temperatur: Minus 5 Grad
Trotz der Anstrengungen des Vortages wurden wir früh wach. Es schneite, aber es war nicht so kalt, wie am Tag zuvor. Wir gingen zu unserem Hotel, das etwa 500m von unserer Unterkunft entfernt stand. Dabei mussten wir eine Skiloipe überqueren, die trotz der relativ frühen Uhrzeit (8:45 Uhr) schon rege genutzt wurde. Man konnte von hier bis nach Levi, einem fast 50 km entfernten Wintersportort – in den wir an einem anderen Tag noch kommen sollten- per Langlauf laufen. Im Hotel erwartete uns ein üppiges Frühstücksbuffet und wir wunderten uns, wo all die Urlauber herkamen: Japaner, Finnen, Amerikaner, Schweizer, Deutsche und alle hatten Hunger. Nach dem Frühstück, bei dem besonders das selbstgebackene Schwarzbrot hervorzuheben ist, machten wir zunächst einen kleinen Spaziergang durch den Wald. Dann mussten wir uns schon auf unser zweites Event, die Schneemobil- und Huskytour vorbereiten, zu der wir wieder von Markus abgeholt wurden. Mit uns wieder die beiden Ehepaare aus Deutschland, das eine jung, das andere schon alt, so um die 70. Im Safarihaus angekommen, bekamen wir zunächst Sturmhaube und Helm angepasst und Markus fragte, ob wir alle unsere Führerscheine dabei hätten, denn es könne vorkommen, dass selbst im Wald die Schneemobilfahrer von der Polizei kontrolliert werden (geglaubt hat ihm das aber keiner von uns). Ob wir denn schon einmal Schneemobil gefahren seien, wollte er wissen. Hans und Lothar konnten diese Frage wahrheitsgemäß bejahen und der ältere Herr, nennen wir ihn einfach Kurt, weil er sich uns nicht namentlich vorgestellt hat, verwies darauf, dass er über eine mehr als 30-jährige Motorradfahrererfahrung verfüge. Wie weit man damit mit einem Schneemobil kommt, sollten wir bald erleben! Dann drückten wir alle noch je 8 Euro pro Schneemobilfahrer bei Markus ab. Fährt man mit einem Schneemobil, dann haftet man bei einem Unfall mit bis zu 750 Euro. Für die erwähnten 8 Euro konnten wir uns von dieser Selbstbeteiligung freikaufen.

Dann bestiegen wir unsere Schneemobile, die eigentlich ziemlich einfach zu händeln sind. Anlasser an und Gas geben. Man lenkt wie bei einem Motorrad, mit dem kleinen Unterschied, dass statt des Reifens vorne 2 Kufen sind. Nimmt man das Gas weg, bleibt das Gefährt stehen, in Notsituationen kann man aber auch eine Bremse betätigen. Dann wurden wir von Markus mit den Handzeichen vertraut gemacht, die er bei der Fahrt anwenden würde. Hand hoch bedeutet: „Achtung“. Hand rauf und runter bedeutet „Los geht’ s“. Dann ging es auch los, Markus ganz vorne, das junge Paar dahinter, dann Kurt mit seiner Frau, nennen wir sie Elfriede, dann Musch und Hans, dann Lothar und hinter diesem eine Nachhut aus dem Safarihaus, zwei junge Damen, die man wegen der warmen Bekleidung aber kaum als solche erkennen konnte. Markus gab das Zeichen zum Start, die Motoren brüllten auf und der Tross setzte sich langsam in Bewegung. Wir sollten nur etwa 200m parallel zur Straße, geradeaus Richtung Wald fahren, eine kleine Straße überqueren und dann in den Wald. Aber so weit kamen wir erst einmal nicht. Schon nach 50 m fiel Kurt mit seiner Fahrweise auf: Er fuhr nach rechts, dann nach links, dann wieder nach rechts, kreuz und quer also und Elfriede quiekte wie ein abgestochenes Ferkel. „Stopp!“ bedeutete Markus uns und er erklärte Kurt, dass es doch ganz einfach sei, geradeaus zu fahren. Einfach den Lenker gerade halten und mit Gefühl Gas geben. Sicherheitshalber und weil Elfriede den Fahrkünsten ihres Mannes - trotz 30-jähriger Motorraderfahrung- wohl doch nicht über den Weg traute, sollte sie bei Markus hinten auf dem Schneemobil mitfahren. Gesagt, getan, alle wieder in Position, die Motoren wurden hochgefahren und es ging wieder los. Kurt musste es aber immer noch nicht so recht geschnallt haben, denn nachdem Markus die Straße überquerte und die anderen ihm folgen wollten, fuhr er in vollen Tempo nicht über die Straße sondern in einen riesigen Schneehaufen und würgte den Motor darin ab. Markus war sichtlich erschüttert, ob dieser Fahrkünste eines langjährigen deutschen Motorradfahrers und Kurt durfte nicht weiterfahren. So bekam Lothar einen Beifahrer. Dann ging es nochmals los und wir fuhren ohne weitere Zwischenfälle eine wunderschöne Tour durch tiefe Wälder, über verschneite Lichtungen, zugefrorene Seen, über wellige Hügel und durch tiefe Senken.

Nach etwa 15 km kamen wir kurz vor unserem Etappenziel, einer Huskyfarm, an. Wegen des Lärms, den die Schneemobile doch machen, stellten wir diese etwa 300m entfernt ab und gingen zu Fuß zur Farm, wo wir von vielen sibirischen und kanadischen Huskys heulend empfangen wurden. Diese wussten, dass sie gleich auf Tour sollten und waren sehr aufgeregt. Aber zunächst bekamen wir auch hier von der Betreiberin der Farm eine Einweisung. Die Damen in die Schlitten und die Herren hinten auf die Kufen. Zwischen diesen war ein Eisen, wie ein Sägeblatt, das, trat man darauf, sich in den Schnee drückte und dadurch die Huskys zum Stehen brachte. Aber erst knuddelten wir die lieben Tiere, die dies sichtlich genossen. Elfriede wollte nicht mit ihrem Mann fahren und bat Lothar, bei ihm mitfahren zu dürfen. Da dieser aber nur 5 Hunde vor seinem Schlitten hatte, legte Markus sein Veto ein und verwies auf einen Schlitten mit 6 Hunden, die stark genug waren, um mit 2 Personen zu fahren. Es dauerte eine ganze Weile, bis alle Gespanne bereit waren aber dann ging es aus der Farm heraus los wieder in die wunderschön verschneite Landschaft auf eine rd. 10km lange Tour. Alle Gespanne – so erzählte uns die Betreiberin der Farm später- müssen untereinander harmonieren und ganz vorne rennt den Leithund. Den ganzen Winter über werden die Huskys täglich bewegt, dafür haben sie im finnischen Sommer 2 Monate Trainingspause. Pro Tag erhält jedes Tier 1 kg Futter, davon die Hälfte Kraftfutter. Besonders gute Huskys dieser Farm nehmen regelmäßig an Rennen in Skandinavien teil. Musch hatte es gut, sie konnte im Schlitten sitzen, Hans und Lothar standen hinten auf den Kufen und taten so, ob sie Einfluss auf das Laufverhalten der Huskys nehmen konnten, was sie aber nicht wirklich taten. Nachdem wir nach ca. 1 Stunde wieder an der Farm ankamen, bekamen wir Kaffee und Beerensaft (ja, wie gestern, sehr sehr süß, aber wir lobten ihn, Hauptsache heiß, dachten alle wohl).Nachdem wir uns von unserer Gastgeberin und den Huskys verabschiedet hatten, ging es wieder zu den Schneemobilen im Wald und dann –siehe oben- wieder über zugeschneiten Stock und Stein zurück nach Äkäslompolo, die Betonung –wir erinnern uns- auf der ersten Silbe – Äkäslompolo.

Dort am Safarihaus angekommen waren wir uns einig, einen tollen Ausflug gemacht zu haben. Was tun mit dem Rest des Tages, fragten wir uns? Ach, gehen wir in den Supermarkt und trinken dort Kaffee. Gesagt getan. Dann gingen wir zurück in zu unserem Blockhaus und ruhten ein wenig. Später gingen wir dann in das Restaurant Tower in der Hauptstraße, wo wir richtig gut aßen, es gab Fisch und Rinderfilet, dazu für die Männer Lapin Kulta.. Danach wieder durch das dunkle Äkäslompolo zurück und dann wurde weiter an der Gewichtsreduzierung unserer mitgebrachten Flaschen gearbeitet. Dazu gab es für die Männer wieder Lappin Kulta, Musch rührte sich einen gesunden Saft aus irgendwelchen Brausetabletten. Dann war unser zweiter Tag auch schon vorbei und Bettzeit war angesagt. Nachts um halb drei wurde Lothar wach, weil nebenan irgendjemand schnarchte und das selbst durch sehr dicke Holzwände zu hören war.

3. Reisetag: Sonntag, 09.02.2014 Temperatur: Minus 1 Grad
Nach einem guten Frühstück gingen wir drei durch den verschneiten Wald spazieren und betrachteten uns tief im Wald gelegene Häuser. Es muss herrlich sein, dort ein Haus zu besitzen. Es schneite immer noch oder schon wieder, nicht doll aber doch kontinuierlich. Gegen 13:30 Uhr wurden wir dann mit einem Bus zu unserem dritten Event, dem Besuch einer Rentierfarm, abgeholt. Markus war auch wieder dabei, auch das junge deutsche Paar sowie Elfriede und Kurt. Wir erinnern uns doch!? Wir fuhren über den Ylläsberg am Skizentrum vorbei in Richtung Kittilä, bogen dann an einer Kreuzung aber nicht nach Osten Richtung Kittilä, sondern nach Westen Richtung Kolari und erreichten schon bald die Rentierfarm in Luoso von Hannu, so wurde uns der alte urige Mann vorgestellt. Dieser war nur der finnischen Sprache mächtig und seine weiteste Reise führte ihn vor vielen Jahren nach Helsinki, erzählte er uns, nachdem wir nach der Tour mit den Rentieren in seinem Zelt, das wie ein indianisches Wigwam aussah und in Finnland Tippi genannt wird, ankamen.

Es waren noch mehr Urlauber anwesend und so wurden wir in 2 Gruppen eingeteilt. Wir bildeten die erste Gruppe und wurden auf die Schlitten, vor die die Rentiere, gutmütige Tiere, die uns aus großen dunklen Augen anglotzten, gespannt waren, verteilt. Bevor es los ging hatte Elfriede, die Frau von Kurt, der gestern lernen musste, dass man, auch wenn man in Deutschland 30 Jahre lang Motorrad gefahren ist, noch lange nicht mit einem Schneemobil in Finnland geradeaus fahren kann, ihren großen Auftritt. „Nein“, schrie sie, „ich will nicht so sitzen, ich will anders herum, was ist denn, wenn mich die Rentiere von hinten anknabbern, Kurt, mach doch mal was“…aber Kurt dachte gar nicht daran, etwas zu tun und er blickte stur geradeaus. Markus gelang es schließlich, Elfriede zu beruhigen und Lothar dachte sich, dass die beiden doch wohl besser in der Nähe von Hannover in einem Einfamilienhaus im Wohnzimmer auf der Couch hätten bleiben sollen, anstatt nach Finnland zu reisen. Er sprach seine Gedanken aber nicht laut aus.

Die Tour mit den Rentieren war ganz gemütlich, Hannu trottete vorne weg, hatten die Rentiere keine Lust mehr, blieben sie halt stehen, wollten sie Schnee fressen, dann blieben sie wieder stehen und fraßen Schnee und so ging es ganz gemächlich voran. Hannu hetzte dann auch nicht, nein, er sprach ganz behutsam mit den Tieren, stapfte auch mal ganz nach hinten um zu sehen, ob alles klar sei und versank bis zur Hüfte dabei im Schnee. So mancher summte die Titelmelodie aus dem Film Dr. Schiwago und man hörte förmlich die Glöckchen an der Kutsche und sah sich in den endlosen russischen Weiten. Ganz dick in Felle waren wir eingepackt, die Rentiere trotteten langsam auf dem vielleicht 4 km langen Rundkurs durch den Wald, leise rieselten die Schneeflocken und es war –verglichen mit der gestrigen Tour auf röhrenden Schneemobilen und mit vor Freude jaulenden Huskys- eine ganz stille Tour, die wir alle genossen und die- auch wenn es nur langsam voran ging, doch wieder viel zu schnell zu Ende war. Aber halt, fast hätte ich es vergessen: Einmal hielt Hanno mit seinem Rentier an, weil dieses mal wieder Schnee fressen oder an einer Baumrinde knabbern wollte. Normaler Weise hielten dann auch alle anderen Rentier an, mussten sie ja auch, denn sonst hätte es unter Umständen einen Rentiergespannauffahrunfall gegeben. Das Rentier hinter dem Schlitten von Musch und Hans hatte dieses Bremsmanöver seines Vorvorgängers aber offensichtlich nicht wahrgenommen und näherte sich Musch und Hans leise aber stetig von hinten. So kamen wunderschöne Schnappschüsse zustande, die Hans, selbst nach vorne blickend, nach hinten schoss. Drei Köpfe auf einem Bild und mag raten, wer nun wer ist. Das Rentier schnaubte dermaßen, dass die Brille von Hans beschlug, da hatte er heißen Atem im Nacken. Nach dem Filmtitel „Dr. Schiwago“ der zweite Filmtitel „Heißer Atem“, wobei dieser aber überwiegend drinnen spielt. Auch die schönste Rentiertour geht einmal zu Ende und die zweite Gruppe freute sich schon auf die Tour. Wir, die Mitglieder der ersten Gruppe wurden jetzt in das Tippi gebeten. Dort bekamen wir Kaffee oder Beerensaft und kleine, von Hannu´s Frau selbst gebackene Plätzchen mit Beeren aus eigener Ernte darauf. Die waren echt lecker!! Und wir lobten auch wieder den Beerensaft, aber dieses Mal nicht aus Höflichkeit, sondern weil er wirklich gut schmeckte. Die Beeren, so übersetzte Markus, hatten Hannu und sein Frau selbst gepflückt, eine anstrengende Arbeit im Spätsommer und es dauert lange, bis man ein Kilo geerntet hat.

Dann kam auch die zweite Gruppe zurück und Hannu erzählte davon, wie es noch vor erst 50 Jahren war, als es noch keine Schneemobile gab und auch große Strecken in Lappland mit dem Rentier zurückgelegt wurden. Zum Abschied bekam jeder von uns ein wertvolles selbstgeschnitztes Holzgeschenk, auf dem Hannu´s Telefonnummer eingebrannt war. „Wir dürften ihn gerne anrufen“, übersetzte Markus Hannu´s Worte, „er würde uns auch gerne zuhören, nur antworten würde er nicht, da er nur der finnischen Sprache mächtig sei.“ Die wiederum blieb für uns Urlauber weiterhin ein Buch mit sieben Siegeln. Dann verabschiedeten wir uns herzlich von Hannu´s Frau und Hanno, die beiden machten wirklich einen netten und bodenständigen Eindruck, aber wer weiß? Vielleicht brummten sie nach unserem Besuch mit ihrem Schneemobil in ihr schmuckes Einfamilienhaus in Kittilä oder verbringen den Rest des Winters auf Gran Canaria und gaukeln nur für die Touristen die ach so heimatverbunden Gutmenschen vor. Aber das glauben wir nun wirklich nicht!

Der Bus brachte uns am Skizentrum Ylläs vorbei, wo wir einige Urlauber, die aus der Schweiz kamen, absetzen, wieder nach Äkäslompolo. Dort ruhten wir uns wieder aus, gingen abends im Dorf wieder essen und ließen den Tag bei Lapin Kulta, dem Gold Lapplands sowie edlen Tropfen ausklingen. Die drei gebuchten Events hatten wir somit hinter uns und sie werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Elfriede, Kurt und das junge Paar würden morgen wieder nach Hause fliegen. Kurt würde seinen Enkeln von seinen Heldentaten in Finnland (30 Jahre fahre ich Motorrad, da macht mir doch keiner mit so einem Schneemobil etwas vor…..) berichten. Wir sollten aber noch für eine weitere Woche in Finnland bleiben. Was würden uns die nächsten Tage bringen? fragten wir uns. Da uns niemand eine Antwort gab, zerstreuten wir mit Zibärtle, Kirschwasser und Grappa diese Gedanken. Draußen schneite es wieder und irgendwann in der Nacht wurde Lothar wieder von einem rasselnden Geräusch (war es das Schnarchen eines Bären im Winterschlaf??) geweckt, aber er schlief auch in dieser Nacht schnell wieder ein.

Sind Sie auch auf den Geschmack gekommen? Auch Sie können diese Reise erleben [http://www.polarlichtexpress.de/index.php?id=1262]

Wollen Sie uns auch Ihre Geschichten erzählen?
Wir freuen uns, wenn auch Sie uns Ihre Erlebnisse und Geschichten mitteilen. Senden Sie uns Ihren Bericht gerne an info@fintouring.de

Ihr fintouring Team freut sich, an Ihren Erlebnissen teilhaben zu dürfen!




Haben Sie Fragen? -- Angebot anfordern